Deutsche Blogger im Gespräch – Heute Frank Bueltge von http://bueltge.de/

interviewDer Webdesign und SEO Blog stellt  in unregelmäßigen Abständen Interviews mit Mitgliedern der deutschsprachigen Internet- und Blogging Scene vor. Heute habe ich euch eines mitgebracht über das sich sicher alle WordPress Fans freuen werden.   Frank Bueltge von http://bueltge.de/ hat sich bereit erklärt mir einige Fragen zu beantworten.

Frank Hamm: Hallo Frank, viele in der Blogger Szene kennen dich ja, nicht zuletzt als Fachmann für WordPress. Aber für die übrigen. stell dich doch bitte meinen Lesern doch kurz selbst einmal vor. Wo und wie lebst du, womit verdienst du deinen Lebensunterhalt, seit wann beschäftigst du dich mit dem Internet und wie bist du dazu gekommen.

Frank Bueltge: Hallo Frank, danke für die freundliche Einladung zum Interview und das damit verbunden Vertrauen. Gern stehe ich dir zu einigen Antworten zur Verfügung.
 Wie schon erwähnt, meine Name ist Frank Bültge, woher auch die URL meines Blog rührt. Das Schreiben in meinem Blog ist pures Hobby, ebenso das Themenspektrum Web und alles was in dem Zusammenhang so in den Filter kommt. WordPress erzielt bei mir eine Ausnahmestellung im Umfang der Beiträge, was aber rein damit zusammen hängt, dass ich einfach etwas zurück geben will und so veröffentliche ich die Lösungen und Ideen, die ich mit WordPress habe.

Dies tue ich auch mit anderen Themen, nur bei WordPress liegt mein Schwerpunkt, da es mich von Anfang an in seiner Flexibilität begeistert hat.

 In der meisten Zeit meines Lebens verbringe ich meine Zeit mit dem Lösen von Problemen, Entwickeln von Lösungen, vorrangig im SAP Umfeld, und dem Beraten von Kunden bei der Ideenfindung. Dies tue ich bei der Carl Zeiss AG im Entwicklungsbereich. 

Sonstige freie Minuten verbringe ich mit Familie, Klettern in all seinen Spielformen und Büchern.

Frank Hamm: Wenn Du mal nicht vor dem Rechner sitzt, womit beschäftigst Du dich privat? Hast du Hobbys die ganz ohne Computer funktionieren?

Frank Bueltge: Die Vorstellung hat es schon erwähnt, das Klettern in Fels und Eis hält mich vor allem in seinem Bann und das schon seit 12 Jahren. Dabei versuche ich mich in allen Spielformen, alpines Klettern, Bergsteigen und alle Bewegungsformen in Einsamkeit und Eis haben es mir besonders angetan. Manchmal zum Leidwesen meiner beiden Frauen. Um die Grundlagen dafür zu schaffen stehen Laufschuhe und ein Mountain Bike immer parat.

Frank Hamm: Mit http://bueltge.de/ betreibst du einen in Deutschland recht bekannten Blog zum Thema WordPress. Wie bist du dazu gekommen? War der Anfang schwierig? Kannst du mit deinem Blog auch Einnahmen generieren, oder dient er eher dazu dich bekannter zu machen? Wenn Du Einnahmen generierst, welche Kanäle setzt du dafür ein, und natürlich nur wenn Du darüber sprechen magst – wie viel konntest du letzten Monat mit deinem Blog einnehmen?

Frank Bueltge: Wenn dem so ist, dann freue ich mich. Ich selber habe keinen Vergleich und kann nur die Anzahl meiner Feedleser als Maßstab nehmen. Nichtsdestotrotz freue ich mich, wenn ich gelesen werde, ob bekannt oder nicht. Der Anfang war abwechslungsreich, experimentell und nie schwierig. Ich habe die unterschiedlichsten Applikationen getestet und bin dann bei WordPress auf Grund der validen Ausgabe von Content und der sehr hohen Flexibiliät und der leichten Einstiegshürde hängen geblieben.

Mein Blog ist eine rein private Spielwiese, manchmal zum Nachteil der Leser und generiert nur bedingt Einnahmen. Ich habe einige Links gesetzt, die ich via LinkLift und Teliad bekommen habe. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich keinerlei Investition von Zeit in dieses Thema stecke und daher mich auch nie um Vermarktung gekümmert habe. Mein Blog ist mein Blog und dient als Zettelkasten von Ideen, Lösungen und Ausleben des Schreibens. Insofern will ich nicht bekannter werden oder damit Geld verdienen – ich will lediglich meine Ideen dort umsetzen.

Frank Hamm: Wie verlief der Start und wie hast du deine Arbeit bekannt gemacht? Welche Vermarktungsmaßnahmen waren besonders effektiv? Welche Einnahmequellen setzt du ein und wieso? Welche Erfahrungen hast du bei der Monetarisierung gemacht?

Frank Bueltge: Ich bin mit statischen HTML im Jahre 2001 unter dieser URL gestartet. Im Vorfeld habe ich viel experimentiert, gesucht und gespielt. Freeaccounts und Mail waren vollkommen ausreichen. Unterwegs bin ich mit dem Medium Internet seit 1996 und das Blog in seiner jetzigen Form steht seit 2005. Wie schon im Vorfeld angesprochen, keine Maßnahmen in Richtung Vermarktung und keine zielgerichteten Einnahmequellen. Das Thema Monetarisierung kostet Zeit und die möchte ich dafür nicht opfern und überlasse daher die wenige Linkverkäufe den beiden genannten Services.

Frank Hamm: Du hast noch einige weitere Projekte online Frank, magst Du uns dazu ein bisschen was erzählen? Worum geht es da?

Frank Bueltge: Das Thema Web ist bei mir vorrangig Hobby, auch wenn das in der Vergangenheit ein wenig in Schieflage geraten ist. Das Blog bringt mir recht viele Anfragen und seit der Veröffentlichung des Buches zu WordPress im Jahr 2007, sind diese Anfragen weiter gestiegen. Seite Anfang des Jahres arbeite ich daher nebenher als Freiberufler und kann so diverse Anfragen bedienen. Dabei nehme ich mir aber die Freiheit, die Themen zu wählen, die ich für spannend und realisierbar halte.

Seit der Gründung der Inpsyde GmbH steht mir nun zusätzlich ein Team von sehr fähigen Leuten zur Verfügung und wir übernehmen die eine oder andere Anfrage. Trotzdem ist es natürlich auch weiterhin ein Geschäft in den Feierabendstunden und daher gebe ich gern realistische und nicht zu optimistische Zusagen an die jeweiligen Ansprechpartner.
 Im Zusammenhang mit der Frage ist daher die Nebentätigkeit sicher ein wichtiges Projekt geworden. 

Ein weiteres sehr schönes Projekt ist WP Engineer , wo ich mit zwei mittlerweile sehr guten Freunden Hintergründe, Tipps und Tricks, Hacks und Gedanken zu WordPress in den englischen Sprachraum verbreite. Das Blog hat sich recht gut etabliert und die größere Zielgruppe macht sich schon bemerkbar. Mal sehen wo das hin läuft und wie wir es gemeinsam meistern werden.

Wichtig ist uns auch dort, dass wir Schreiben, weil wir wollen und nur wir wollen uns sort verwirklichen, kein Mainstream, kein Druck in Zyklus der Veröffentlichungen oder in dem Thema Monetarisierung.

 Zuletzt will ich gern erwähnen, dass ich an einem zweiten umfangreicheren Buch zu WordPress sitze und dies schon längst hätte im Handel sein sollen. Aber es gibt immer wieder Bereiche, die einfach wichtiger sind, die keinen Raum zu Schreiben lassen und so musste das Buch sich ein wenig hinziehen.

Hat nun den Vorteil, dass ich inhaltlich auf Version 2.8 von WordPress aufsetze und so die sehr schönen Neuerungen für Entwickler und Nutzer beleuchten kann. Dabei habe ich aber auch Unterstützung und freue mich, dass ich den einen oder anderen Gastautor zu spezifischen Spezialthemen gewinnen konnte.

Frank Hamm: Welche konkreten Tipps kannst du Lesern geben, die vor haben einen Blog ganz neu aufzubauen und bisher keine oder wenig Erfahrungen mit dem Bloggen haben? Was sind diesbezüglich deine wichtigsten Erfahrungen?

Frank Bueltge: Auch im Buch habe ich dazu schon Tipps gegeben und aus meiner Sicht hat sich daran bis heute nichts verändert. Der wohl wichtigste Aspekt ist der Spaß. Das Blog lebt nur dann und findet Anspruch, wenn man sich selbst treu bleibt, wenn man tut, was man will und sich nicht verkauft. In der Regel sind die persönlichen Blogs, so wie es meiner ist, auch wenn sie sich vorrangig mit technischen Artikeln füllen, durch ihre Person gekennzeichnet. Daher rate ich allen Starten: macht was ihr wollt, bleibt euch treu.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Durchhaltevermögen. Blogs sind ein Spiegel der Gemeinschaft, sie haben ein Hoch und Tief. Daher genieße die schönen Stunden und bleibe die treu in den schlechten Zeiten. Es wird Kritik und Lob geben und mit beidem muss man umgehen.

Aller guten Dinge sind drei und daher ein weiter Tipp, den ich beherzige und für wichtig erachte: achte die Leser und die Kommentierenden. Beide Bereiche machen das Bloggen interessant und die Kommentierenden sind der Nabel zur Welt im Netz. Vielleicht ist die Funktion der Kommentare der Grund, warum man weiter macht – bei mir ist es mit Sicherheit so. Nur Zahlen in einer Statistik sind mir nicht genug, der Wert der Menschen, ihre Meinungen und ihre Zeit, die sie in den Kommentaren hinterlassen, sind meine Motivation.

Frank Hamm: Warst Du dieses Jahr auf der Cebit? Wie ist deine persönliche Meinung zu der Veranstaltung?

Frank Bueltge: Nein, kein Besuch der Cebit. Im letzten Jahr war ich vor Ort und war bitter enttäuscht, dass ich in all den Themen, in denen ich Interesse hatte, mit freundlichen und schönen Menschen, die aber keine Kenntnis des Fachthemas hatten, konfrontiert wurde. Eine Messe in dieser Form ist für mich Austausch und Überblick gewinnen und wenn ich dann nur Prospekte und auf den E-Mail-Kontakt hingewiesen werde, dann erspare ich mir diese Show und nutze die alltäglichen Kommunikationskanal um an Informationen zu kommen.

Frank Hamm: Was denkst du in wieweit sich die aktuelle Finanzkrise auf die Arbeit der Webworker auswirken wird. Spürst Du selbst schon etwas bei deinen Kunden?

Frank Bueltge: Die Finanzkrise wirkt sich aus meiner Sicht auf alle Bereiche aus, trotzdem ist die Wirtschaftskrise ein höheres Laster und sicher betrifft sie auch Webworker. Ich kann dazu wenig sagen, denn der Bereich Web ist nur in einem sehr kleinen Part mit dem Thema Kunden behaftet. Das Web wächst, es ist eine Chance und ich denke und hoffe, dass Unternehmen diese Chance sehen.

In dem einen oder anderen Bereich kann man das sicher spüren. Dahingehend denke ich, dass das Webgeschäft nicht zusammenbricht oder mit Problemen zu tun hat, die man aus diversen Entwicklungsbereichen und Konsumerprodukten kennt. Trotzdem überlegen Kunden heute genau, was sie wofür und wie viel zahlen.

Frank Hamm: Was denkst Du können wir für die Zukunft des Webworkings allgemein und das Bloggen im besonderen im Web erwarten? Planst du noch andere Projekte?

Frank Bueltge: Die Erwartungen an das Web sind seit einigen Jahren recht hoch und nicht selten ist man über Fehlinvestitionen und Niedergang enttäuscht. Das Web macht die Welt ein wenig kleiner, zumindest für den Kreis, der einen Zugang dazu hat; sei es, weil man aus politischen, rechtlichen oder finanziellen Gründen nicht an diesem Leben teil nehmen kann.

Das Web wird die Menschen immer mehr einbeziehen, noch weiter weg von der reinen Technik und hin zu einer Nutzung und damit verbundenen Bedienung, die es nicht nur erfahrenen, geschulten oder technisch interessierten Nutzern erlaubt, die Vorzüge zu nutzen. Es wäre schade, wenn sich die Menschen an dieser Idee eines gemeinsamen Wissens spalten und aktuell haben mobile Clients aus meiner Sicht eine große Chance die Brücke zu schlagen.

Im Bereich Bloggen speziell, könnte ich mir eine Brücke von Mirkobloggen unterschiedlicher Nutzer und dem klassischen Bloggen vorstellen. Quasi Twitter und WordPress in einem Tool. So dass die Gemeinde das Mikrobloggen lebt und einige Autoren Content erstellen, der klassisch kommentiert wird. Klar, technisch ist das ohne Probleme machbar, WordPress bietet dazu ausreichend Mittel. Aber es ist auch die Akzeptanz der Nutzer die diese Form des Blogs nutzt und konsumiert.

Aktuell gibt es aus meinem Dunstkreis dahingehend keine Bestrebungen, meine Zeit ist ausgefüllt und ich will eher wieder das Tempo drosseln. Ich lege mich dahingehend aber nicht fest und genieße den Regen von Eindrücken und Ideen. Wir werden sehen, was da kommen mag und das schöne an einen privaten Projekt ist auch, dass man den Sterbetag selber festlegen kann.

Frank Hamm: Das waren sehr interessante Einblick in deine Arbeit und sicher auch mal nett ein bischen was über den Menschen Frank Bueltge zu erfahren. Ich hoffe es hat dir genauso viel Spass gemacht wie mir und meinen Lesern. Ich würde mich jedenfalls freuen wenn du hin und wieder einmal in meinem kleinen Blog vorbeischaust.

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