Der Webdesign und SEO Blog startet heute seine neue Reihe mit Interviews von Mitgliedern der deutschsprachigen Internet- und Blogging Scene. Heute treffe ich Vladimir Simovic von http://www.perun.net/ der sich bereit erklärt hat mir einige Fragen zu beantworten.
Frank Hamm: Hallo Vladimir, viele in der Blogger Scene kennen dich ja, nicht zuletzt als Fachmann für WordPress. Aber für die übrigen, stell dich doch bitte meinen Lesern doch kurz selbst einmal vor. Wo und wie lebst du, womit verdienst du deinen Lebensunterhalt, seit wann beschäftigst du dich mit dem Internet und wie bist du dazu gekommen.
Vladimir: Ich, Jahrgang 1973, wohne und arbeite in Köln. Im Web tummle ich mich aktiv seit dem Frühjahr 1998 weil ich das Medium von Anfang an interessant und zukunftsweisend fand.
Mit HTML und CSS beschäftige ich mich seit 2000/2001. Mitte 2003 habe ich mich als Webworker selbständig gemacht. Zuerst nebenberuflich und seit Mai 2004 bin ich hauptberuflich Selbständig. Am Anfang als Webworker (ich versuche das Wort Webdesigner zu vermeiden
) und später auch als Blogger, Berater und mittlerweile auch als Autor von Fachbüchern und Artikeln in Zeitschriften (iX, c’t, PHP-Magazin).
Hinzugekommen sind seit dem letzten Jahr auch WordPress-Workshops auf akademie.de
Frank Hamm: Wenn Du mal nicht vor dem Rechner sitzt, womit beschäftigst Du dich privat? Hast du Hobbys die ganz ohne Computer funktionieren?
Vladimir: Als Vater und Ehemann widme ich mich so viel und so oft wie möglich meiner Familie: meiner Frau und meinem Sohn. Wenn etwas Zeit, übrig bleiben sollte, kommen dann zuerst die Bekannten & Verwandten und dann meine früheren Hobbys (Zocken und ein bisschen Sport) dran. Zum Lesen komme ich leider viel zu selten und wenn, dann sind es meistens Fachbücher.
Frank Hamm: Mit www.perun.net betreibst du einen in Deutschland recht bekannten Blog zum Thema WordPress. Wie bist du dazu gekommen? War der Anfang schwierig? Kannst du mit deinem Blog auch Einnahmen generieren, oder dient er eher dazu dich bekannter zu machen? Wenn Du Einnahmen generierst, welche Kanäle setzt du dafür ein, und natürlich nur wenn Du darüber sprechen magst – wie viel konntest du letzten Monat mit deinem Blog einnehmen?
Vladimir: Die Domain perun.net besitze ich schon seit Juli/August 2002. Auf dieser Domain wollte ich damals meine Erfahrungen in HTML, CSS und Webdesign dokumentieren, welche ich vor allem bei meinem ersten großen Projekt www.faszination-tolkien.de gesammelt habe. Das war allerdings nicht einfach, wer ein größeres Projekt nur mit statischen Seiten durchgeführt hat, der weiß was ich meine.
Ich habe sehr lange nach einem geeignetem Redaktionssystem (CMS) gesucht und meine lange Suche wurde im Dezember 2003 belohnt in dem ich auf WordPress aufmerksam wurde. Wäre WordPress eine Frau würde man von Liebe auf den ersten Blick sprechen
.
Ich war so begeistert von dieser Software – gute Redaktionssysteme waren damals rar gesät – dass ich beim Start des Weblogs (Januar 2004) sehr viel über WordPress berichtet habe. Die WordPress-Szene, vor allem im deutschsprachigen Raum, war sehr überschaubar, so dass neben mir lediglich Andreas Kalt regelmäßig über WordPress berichtet hat … mehr gab es damals nicht, zumindest kannte ich keine weitere Quellen. Andreas hörte dann nach wenigen Wochen auf und zuerst blieb ich dann mehr oder weniger alleine. Erst später kamen dann WordPress Deutschland & Co. hinzu.
Das Weblog auf www.perun.net dient mir bzw. mittlerweile uns auf verschiedenen Feldern: als eigene Dokumentation, über interessante Neuigkeiten zu berichten, als Ort um eigene Fähigkeiten und Wissen zu präsentieren, aber auch um mit Werbung Einnahmen zu erzielen.
Die Werbeeinnahmen generiere ich über die üblichen Kanäle (AdSense, Amazon etc.) … darüber habe ich auch in meinem Buch Geld 2.0 berichtet
. Die Einnahmen sind unterschiedlich. Zu Hochzeiten vor etwa 1-2 Jahren, als ich mich sehr intensiv mit dem Thema beschäftigt habe, hatte ich Werbeeinnahmen in der Höhe eines guten Angestellten-Lohns.
Ich habe aber schnell gemerkt, dass diese Art von Arbeit äußerst Zeitintensiv ist und ich hatte Sorge, dass ich dann die anderen Felder vernachlässigen könnte. Als Selbständiger sollte man sein Risiko streuen und nach Möglichkeit mehrere Einnahmefelder haben. Bei mir sind das zum einen die “klassischen” Webworker-Aufträge, dann zum zweiten Autoren-Tätigkeit (Bücher, Artikel und auch Workshops) und zu Letzt Werbeeinnahmen. Sollte eines der Standbeine wegbrechen, dann tut das u. U. weh, haut mich aber nicht um.
Ich hatte keine Lust, dass jedes Mal wenn Tante Guugel der Pups quer sitzt ich evtl. Existenzängste haben muss.
Das ist mein Rat was ich jedem Selbständigen geben kann: wenn du die Wahl hast, mache dich nicht nur von einem Kunden oder Spezialgebiet abhängig.
Daher beschäftige ich mich mit diesem Thema in den letzten Monaten nur sehr wenig und dem entsprechend sind auch die Einnahmen gesunken, im Februar lagen die Werbeeinnahmen irgendwo bei 850-950 Euro, ich hatte leider keine Zeit es genauer nachzurechnen. Was aber an sich völlig in Ordnung ist, weil ich die Differenz durch andere Einnahmen mehr als ausgleichen konnte.
Frank Hamm: Wenn ich richtig informiert bin verdienst du deine Brötchen mit deiner Arbeit die du selbst unter www.vlad-design.de präsentierst. Wenn Du heute noch einmal ganz neu starten könntest oder müsstest, was würdest du anders machen?
Vladimir: Auf www.vlad-design.de befindet sich meine alte geschäftliche Website. Mein Einzelunternehmen ist seit dem September 2008 in die perun.net webwork gmbh übergegangen. Leider fehlt mir die Zeit, dies entsprechend sowohl auf www.vlad-design.de wie auch auf www.perun.net zu kennzeichnen.
Ich würde im Grunde genommen nicht viel anderes machen. Höchstens in Details. Im Großen und Ganzen bin ich mit der Entwicklung zufrieden und die Entscheidung mich selbständig zu machen war die beste Entscheidung in meinem beruflichen Leben.
Frank Hamm: Wie verlief der Start und wie hast du deine Arbeit bekannt gemacht? Welche Vermarktungsmaflnahmen waren besonders effektiv? Welche Einnahmequellen setzt du ein und wieso? Welche Erfahrungen hast du bei der Monetarisierung gemacht?
Vladimir: Der Start verlief recht “klassisch” würde ich mal sagen. Zuerst habe ich angefangen mein Wissen an Leute weiterzugeben (Eigenes Weblog, Aktivität in Foren und Mailinglisten) und parallel dazu habe ich im persönlichen Umfeld (Bekannte, ehemalige Kollegen) die ersten kleineren Projekte durchgeführt. Danach kamen die ersten “normalen” Kunden welche ich durch einen Mix aus Maßnahmen (Aktivität im Netz, Mundpropaganda etc.) gewinnen konnte.
Das Wissen zu teilen hat sich auf jeden Fall rentiert. Im Januar 2004 habe ich angefangen zu bloggen und u.a. über WordPress zu berichten und schon im Sommer/Herbst habe ich die ersten kleinen WordPress-Aufträge bekommen. Die Idee zu bloggen und über WordPress zu berichten – und das zum passenden Zeitpunkt - hat sich im Nachhinein als eine sehr gute Wahl erwiesen.
Die beste Vermarktungsmaßnahme ist meiner Meinung nach die Aktivität im Netz. Das muss nicht unbedingt ein Weblog sein. Das kann ein Forum oder auch eine Mailingliste sein. Am besten kombiniert man das zusammen
aber das ist natürlich eine Frage der Zeit.
Wie ich bereits weiter oben erwähnt habe generiere ich meine Einnahmen aus einem Mix: “klassische” Aufträge, Arbeit als Autor und Werbung. Durch etwas Streuung minimiert man das Risiko, finaziell auf die Nase zu fallen.
Bei der Monetarisierung stellte ich fest, was natürlich nix Neues ist, dass man wirklich jede einzelne Website für sich selbst betrachten muss und dass generelle Aussagen schwer zu tätigen sind. Hier gilt sehr häufig das Motto: “Probieren geht über Studieren”.
Frank Hamm: Welche konkreten Tipps kannst du Lesern geben, die vor haben einen Blog ganz neu aufzubauen und bisher keine oder wenig Erfahrungen mit dem Bloggen haben? Was sind diesbezüglich deine wichtigsten Erfahrungen?
Vladimir: Das Weblog, wie übrigens jedes Webprojekt, nimmt mehr Zeit in Anspruch als man am Anfang glauben möchte. Daher ist es wichtig, dass man an der ganzen Sache Spaß hat. Bloge ich oder führe ich eine Website zu einem Thema welches mir Spaß macht, dann hängt man sich viel mehr rein und alles andere ergibt sich dann von alleine.
Das gilt nicht nur für Hobby- sondern auch zum groflen teil für kommerzielle Projekte. Sicherlich, es gibt Leute, die haben das Talent um herauszufinden was momentan “in” ist und dann starten die Projekte, welche Sie gut monetarisieren können. Aber nur wenn man ein Projekt liebt hat man auch die Ausdauer um auch längere “Durststrecken” zu überwinden und sich auch mit den technischen Aspekten auseinander zu setzen.
Frank Hamm: Warst Du dieses Jahr auf der Cebit? Wie ist deine persönliche Meinung zu der Veranstaltung?
Vladimir: Ich hatte vor auf die CeBIT 2009 zu gehen, leider ist mir dann im letzten Moment etwas dazwischen gekommen. Ich war allerdings letztes Jahr auf der CeBIT und für mich persönlich ist die CeBIT viel zu groß und viel zu allgemein. Ich würde die CeBIT eher auf mehrere, kleinere aber dafür spezielle Messen aufteilen.
Frank Hamm: Was denkst du in wieweit sich die aktuelle Finanzkrise auf die Arbeit der Webworker auswirken wird. Spürst Du selbst schon etwas bei deinen Kunden?
Vladimir: Bis jetzt spüre ich noch nichts von der Krise und ich hoffe es, dass es auch sehr lange so bleibt (3x auf Holz klopf). Ich weiß nicht wie das bei anderen Kollegen ist, aber ich werde mir meine Art zu arbeiten nicht von einer Krise diktieren lassen … zumindest so lange ich es irgendwie steuern und beeinflussen kann.
Frank Hamm: Was denkst Du können wir für die Zukunft des Webworkings allgemein und das Bloggen im besonderen im Web erwarten? Planst du noch andere Projekte?
Vladimir: “Vorhersagen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen” (Mark Twain und Nils Bohr). Ich würde mal einfach sagen, dass die verschiedenen Micro-Blogging- und Aggregierungs-Dienste, wie z. B. Twitter und FriendFeed weiter an Bedeutung gewinnen werden.Momentan plane ich keine weiteren Projekte, obwohl ich einige sehr interessante Ideen habe (O-Ton von Kollegen). Bis etwa Ende April bin ich ausgebucht. Neben www.perun.net schreibe ich auch auf www.webwork-tools.de und auf www.wordpress-buch.de.
Daneben arbeiten wir momentan an einem Buch für den dpunkt-Verlag (www.dpunkt.de) und im Herbst gibt es noch einmal zwei WordPress-Workshops auf akademie.de und so wie es ausschaut wird mind. eines unserer WordPress-Bücher noch in diesem Jahr in eine weitere Auflage gehen. Sollte etwas Zeit übrig bleiben, wird diese an eine schon geplante Artikel-Reihe bei akademie.de “geopfert”. Es bleibt halt nicht mehr so viel Zeit für neue Projekte über leider.
Frank Hamm: Danke dir Vladimir, für das Interview ich persönlich fand deine Antworten sehr interessant. Ich hoffe den Lesern ging es so wie mir und du schaust hin und wieder mal hier im Blog vorbei

Print
Digg
Facebook
Yahoo! Buzz
Twitter
Google Bookmarks
Google Buzz
MisterWong.DE
MySpace